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Kunststoffe für Gleitleisten müssen mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Sie sollen gut gleiten, wenig verschleißen, Belastungen aufnehmen und ihre Abmessungen im Betrieb möglichst zuverlässig beibehalten. Für Führungen, Kettenleisten, Gleitplatten und austauschbare Verschleißteile kommen deshalb unterschiedliche Werkstoffe infrage.
PE 1000 eignet sich besonders für abriebbeanspruchte Gleitleisten und Förderanlagen. POM-C ist häufig die bessere Wahl für präzise Führungselemente. PA6 bietet Vorteile bei stoßartigen und mechanisch hohen Belastungen, während PET eine hohe Maßhaltigkeit mit guten Verschleißeigenschaften verbindet. Für hohe Temperaturen, aggressive Medien oder extreme Belastungen können PTFE, PEEK oder speziell modifizierte Gleitwerkstoffe notwendig sein.
Für viele Gleitleisten aus Kunststoff ist PE 1000 die erste Werkstoffoption. Der Kunststoff besitzt eine hohe Abriebfestigkeit, gute Gleiteigenschaften und eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme. Er wird häufig in Förderanlagen, Kettenführungen, Rutschen und verschleißbeanspruchten Auskleidungen verwendet.
PE 1000 ist jedoch nicht automatisch für jede Führung die beste Lösung. Bei engeren Toleranzen, höherer Steifigkeit oder größerer Druckbelastung können POM-C, PET oder PA6 geeigneter sein.
Als erste Orientierung gilt:
| Einsatzbedingung | Häufig geeigneter Werkstoff |
|---|---|
| Kettenführungen und Fördertechnik | PE 1000 |
| Präzise Führungsleisten | POM-C |
| Hohe Stoßbelastung | PA6 |
| Hohe Maßhaltigkeit bei Feuchtigkeit | POM-C oder PET |
| Gleitplatten mit guter Druckfestigkeit | PET oder POM-C |
| Sehr geringe Reibung | PTFE oder modifizierter Gleitwerkstoff |
| Hohe Temperatur und Belastung | PEEK |
| Tiefe Temperaturen | PE 1000 oder PTFE |
| Lebensmittelanlagen | geeignete PE-, POM-, PET- oder PEEK-Qualität |
Für individuell gefertigte Bauteile lassen sich unterschiedliche Kunststoffplatten nach Maß als Ausgangsmaterial verwenden.
Die Begriffe werden häufig gemeinsam verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Bauteilfunktionen.
Eine Kunststoffführung hält ein bewegtes Bauteil in einer definierten Position oder Bewegungsbahn. Dazu gehören beispielsweise:
Linearführungen
Kettenführungen
Riemenführungen
Schienenführungen
Seitenführungen in Förderanlagen
Führungsringe und Führungselemente
Bei Führungen sind Maßhaltigkeit, Steifigkeit und ein kontrolliertes Spiel besonders wichtig.
Gleitleisten reduzieren den direkten Kontakt zwischen bewegten Metallteilen. Sie bilden eine verschleißarme Gleitfläche und schützen die eigentliche Maschinenkonstruktion.
Typische Beispiele sind:
Kettengleitleisten
Förderleisten
Gleitunterlagen
Führungsschienen
Auflageleisten
Seitenführungen
Bei Gleitleisten stehen Gleiteigenschaften, Abriebfestigkeit und geringe Geräuschentwicklung im Vordergrund.
Gleitplatten aus Kunststoff verteilen Lasten auf größere Flächen und ermöglichen Relativbewegungen zwischen Bauteilen. Sie werden unter Maschinenkomponenten, Schlitten, Führungen oder beweglichen Anlagenbauteilen eingesetzt.
Im Vergleich zu schmalen Gleitleisten sind Druckfestigkeit, Ebenheit und Wärmeausdehnung bei Gleitplatten häufig besonders relevant.
Verschleißteile sollen gezielt den Abrieb aufnehmen, damit teure Maschinenkomponenten nicht beschädigt werden. Sie werden so konstruiert, dass sie sich bei Bedarf einfach austauschen lassen.
Dazu zählen:
Verschleißleisten
Prallplatten
Abstreifer
Auskleidungen
Führungsbacken
Gleitschuhe
Rollen
Gleitbuchsen
Der beste Kunststoff für Verschleißteile ist daher nicht zwingend der härteste Werkstoff. Entscheidend ist, welches Material unter den konkreten Belastungen kontrolliert verschleißt und den Gegenlaufpartner möglichst wenig beschädigt.
| Eigenschaft | PE 1000 | POM-C | PA6 | PET | PTFE | PEEK |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gleiteigenschaften | Sehr gut | Gut | Gut | Gut | Sehr gut | Gut |
| Abriebfestigkeit | Sehr hoch | Gut | Gut bis sehr gut | Sehr gut | Bei reinem PTFE begrenzt | Sehr gut |
| Druckfestigkeit | Mittel | Hoch | Hoch | Hoch | Eher gering | Sehr hoch |
| Steifigkeit | Gering bis mittel | Hoch | Mittel bis hoch | Hoch | Gering | Sehr hoch |
| Maßhaltigkeit | Mittel | Sehr gut | Feuchtigkeitsabhängig | Sehr gut | Unter Last begrenzt | Sehr gut |
| Wasseraufnahme | Sehr gering | Gering | Hoch | Gering | Sehr gering | Sehr gering |
| Schlagzähigkeit | Sehr hoch | Gut | Sehr hoch | Mittel | Mittel | Gut |
| Temperaturbeständigkeit | Eher begrenzt | Mittel | Mittel | Mittel | Sehr hoch | Sehr hoch |
| Zerspanbarkeit | Gut | Sehr gut | Gut | Sehr gut | Anspruchsvoller | Sehr gut |
| Kosten | Niedrig bis mittel | Mittel | Mittel | Mittel | Höher | Sehr hoch |
Die Tabelle zeigt, warum die reine Verschleißfestigkeit nicht ausreicht. Ein Werkstoff kann sehr abriebfest sein, aber unter hoher Flächenpressung zu stark nachgeben. Ein anderer Kunststoff kann präzise und druckfest sein, aber bei Stoßbelastungen schneller brechen.
PE 1000, auch als PE-UHMW bezeichnet, gehört zu den wichtigsten Werkstoffen für Gleitleisten und Kettenführungen. Der Kunststoff besitzt sehr gute Gleiteigenschaften, eine hohe Verschleißfestigkeit und eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme.
Typische Einsatzbereiche sind:
Kettenführungen
Riemenführungen
Förderanlagen
Rutschen
Seitenführungen
Verschleißplatten
Silowände
Auskleidungen
Abstreifer
Gleitunterlagen
Für solche Anwendungen eignen sich PE-1000-Platten für Gleitleisten und Verschleißteile. Weitere technische Grundlagen finden Sie in der Werkstoffübersicht zu PE 1000 als abriebfestem Gleitwerkstoff.
Eine Kettenführung muss dauerhaft mit bewegten Kettengliedern in Kontakt stehen. Der Werkstoff sollte daher:
wenig Reibung erzeugen
Verschleiß widerstehen
Stöße dämpfen
Geräusche reduzieren
korrosionsfrei sein
wenig Feuchtigkeit aufnehmen
PE 1000 erfüllt diese Anforderungen in vielen Förderanlagen besonders gut. Der Kunststoff kann zudem das Laufgeräusch gegenüber metallischen Führungen deutlich reduzieren.
PE 1000 besitzt eine geringere Steifigkeit als POM-C, PET oder PEEK. Unter hoher Druckbelastung kann sich der Werkstoff stärker verformen. Auch die Wärmeausdehnung ist vergleichsweise hoch.
PE 1000 ist deshalb weniger geeignet, wenn:
sehr enge Toleranzen notwendig sind
hohe Flächenpressungen auftreten
die Führung eine hohe Steifigkeit benötigt
höhere Temperaturen herrschen
große freie Spannweiten überbrückt werden müssen
Bei einer präzisen Führung kann POM-C geeigneter sein, obwohl PE 1000 den besseren Abriebwert besitzt.
POM-C verbindet gute Gleiteigenschaften mit hoher Festigkeit, Steifigkeit und Maßhaltigkeit. Der Werkstoff eignet sich besonders für präzise POM-Führungsleisten, Rollen, Gleitschuhe und Führungselemente.
Typische Anwendungen sind:
präzise Maschinenführungen
Führungsringe
Gleitbacken
Rollen
Schieber
kleine Gleitleisten
Führungselemente mit engen Passungen
mechanisch bearbeitete Serienteile
Für diese Bauteile können POM-C-Platten für präzise Führungselemente eingesetzt werden. Die Werkstoffseite zu den Eigenschaften und Einsatzbereichen von POM-C bietet zusätzliche Informationen.
Die Entscheidung PE 1000 oder POM richtet sich vor allem nach der Priorität.
PE 1000 ist häufig besser, wenn:
hohe Abriebfestigkeit entscheidend ist
Stoßbelastungen auftreten
eine niedrige Reibung wichtig ist
die Führung große Schmutzpartikel tolerieren muss
keine engen Toleranzen erforderlich sind
POM-C ist häufig besser, wenn:
Maßhaltigkeit entscheidend ist
enge Passungen benötigt werden
höhere Steifigkeit erforderlich ist
die Führung präzise gefertigt werden muss
geringere Wärmeausdehnung gewünscht ist
Für eine verschleißbeanspruchte Förderkette ist PE 1000 häufig die wirtschaftlichere Lösung. Für einen exakt geführten Maschinenschlitten kann POM-C deutlich geeigneter sein.
PA6 besitzt eine hohe Zähigkeit, gute Verschleißfestigkeit und eine höhere mechanische Belastbarkeit als PE 1000. Der Werkstoff eignet sich besonders für größere und stoßbelastete Bauteile.
Typische PA6-Verschleißteile sind:
große Führungsleisten
Gleitschuhe
Rollen
Führungsbacken
Lagerteile
Prallplatten
mechanisch belastete Verschleißeinsätze
Für solche Anwendungen stehen PA6-Platten für mechanisch belastete Gleitleisten zur Verfügung.
PA6 kann geeigneter sein, wenn:
hohe Druckbelastungen auftreten
eine höhere Steifigkeit erforderlich ist
Bauteile größere Lasten aufnehmen müssen
die Konstruktion stoßbelastet ist
größere Bauteildicken benötigt werden
PE 1000 bleibt dagegen häufig überlegen, wenn Abrieb, Gleiteigenschaften und geringe Feuchtigkeitsaufnahme im Vordergrund stehen.
PA6 nimmt deutlich mehr Feuchtigkeit auf als PE 1000, POM-C oder PET. Dadurch können sich Maße und mechanische Eigenschaften verändern.
Bei einer Führung kann dies dazu führen, dass:
sich das Führungsspiel verkleinert
eine Leiste aufquillt
Bohrungsabstände nicht mehr exakt passen
die Steifigkeit sinkt
das Bauteil weicher wird
PA6 sollte daher nicht allein nach trockenen Datenblattwerten ausgelegt werden. Bei wechselnder Feuchtigkeit sind ausreichendes Spiel und geeignete Befestigungspunkte einzuplanen.
Der Vergleich PA6, POM-C oder PE-HD erläutert die Unterschiede bei Wasseraufnahme und Maßhaltigkeit ausführlicher.
PET besitzt eine hohe Festigkeit, Steifigkeit und Maßhaltigkeit. Gleichzeitig nimmt der Werkstoff nur wenig Feuchtigkeit auf und weist gute Verschleißeigenschaften auf.
PET eignet sich besonders für:
präzise Gleitplatten
Führungsleisten mit engen Toleranzen
verschleißbeanspruchte Maschinenteile
Führungsringe
Rollen
Bauteile mit hoher Druckbelastung
Anwendungen mit wechselnder Luftfeuchtigkeit
Für solche Bauteile können PET-Platten für maßhaltige Gleitplatten eingesetzt werden.
PET und POM-C überschneiden sich bei vielen Anwendungen. Beide Werkstoffe sind maßhaltig, gut zerspanbar und nehmen wenig Feuchtigkeit auf.
PET kann Vorteile bieten, wenn:
eine höhere Steifigkeit erforderlich ist
die Druckbelastung hoch ist
die Verschleißfestigkeit im Vordergrund steht
präzise Gleitflächen benötigt werden
POM-C ist häufig geeigneter, wenn:
hohe Schlagzähigkeit wichtig ist
gute Zerspanbarkeit bei komplexen Teilen gefordert wird
das Bauteil wechselnden Belastungen ausgesetzt ist
ein wirtschaftlicher Universalwerkstoff gesucht wird
Die konkrete Werkstoffqualität ist entscheidend. Gleitmodifiziertes PET kann sich deutlich anders verhalten als ein Standardtyp.
PTFE besitzt einen sehr niedrigen Reibungskoeffizienten und eine hohe chemische Beständigkeit. Der Werkstoff eignet sich für Gleitflächen, bei denen geringe Reibung, Medienkontakt oder hohe Temperaturen entscheidend sind.
Mögliche Anwendungen sind:
chemisch belastete Führungen
Gleitunterlagen
Dicht- und Gleitelemente
temperaturbelastete Führungsplatten
Trockenlaufanwendungen
Anwendungen mit niedrigen Losbrechkräften
Reines PTFE ist jedoch vergleichsweise weich und neigt unter Dauerlast zum Kriechen. Für hoch belastete PTFE-Gleitleisten werden daher häufig gefüllte oder mechanisch abgestützte Werkstoffe eingesetzt.
PTFE eignet sich weniger, wenn:
hohe Flächenpressung auftritt
enge Toleranzen dauerhaft gehalten werden müssen
dünne Bauteile stark belastet werden
eine hohe strukturelle Steifigkeit erforderlich ist
PEEK ist ein Hochleistungskunststoff für hohe Temperaturen, hohe Druckbelastung und anspruchsvolle chemische Bedingungen. Der Werkstoff besitzt eine hohe Festigkeit, Steifigkeit und Kriechbeständigkeit.
Typische Anwendungen für PEEK-Führungselemente sind:
Hochtemperaturanlagen
Pumpen und Kompressoren
chemische Anlagen
Halbleitertechnik
Hochdrucksysteme
Präzisionsführungen
verschleißbeanspruchte Bauteile mit hoher Temperatur
Für solche Anwendungen können PEEK-Platten für hoch belastete Führungselemente verwendet werden.
PEEK ist technisch leistungsfähig, aber deutlich teurer als PE 1000, POM-C, PA6 oder PET. Der Werkstoff sollte deshalb nur eingesetzt werden, wenn Standardkunststoffe die Anforderungen nicht zuverlässig erfüllen.
Der Beitrag Standardkunststoff oder Hochleistungskunststoff hilft bei der wirtschaftlichen Einordnung. Weitere Einsatzbereiche werden im Artikel über PEEK-Kunststoffe für Gleitführungen und Lagerkomponenten beschrieben.
Für Kettenführungen wird häufig PE 1000 eingesetzt. Der Werkstoff verbindet hohe Abriebfestigkeit mit guter Schlagdämpfung und niedrigem Reibungswiderstand.
Ein Kunststoff für Kettenführungen muss folgende Belastungen bewältigen:
kontinuierlichen Gleitkontakt
Schwingungen
wechselnde Kettenkräfte
Schmierstoffe
Schmutz
Temperaturänderungen
mögliche Feuchtigkeit
PE 1000 ist besonders geeignet, wenn die Kette kontinuierlich läuft und keine extrem hohen Flächenpressungen auftreten.
Bei präziseren oder höher belasteten Führungen können POM-C, PET oder PA6 geeigneter sein. Für hohe Temperaturen kann PEEK erforderlich werden.
Bei Riemenführungen sind geringe Reibung, gute Oberflächenqualität und Maßhaltigkeit wichtig. Die Führung darf den Riemen nicht unnötig erwärmen oder beschädigen.
Geeignete Werkstoffe sind häufig:
PE 1000 für robuste, verschleißarme Führungen
POM-C für präzise Riemenführungen
PET für druckbelastete, maßhaltige Führungselemente
PTFE bei besonders niedriger Reibung
Die Kanten der Führung müssen sauber verrundet werden. Scharfe Übergänge können den Riemen beschädigen und dessen Lebensdauer verkürzen.
Ein Kunststoff für hohe Flächenpressung muss Druck aufnehmen, ohne sich dauerhaft stark zu verformen.
Unter den verglichenen Standardkunststoffen sind häufig geeignet:
POM-C
PA6
PET
Bei besonders hohen Temperaturen oder Belastungen kann PEEK erforderlich sein.
PE 1000 besitzt zwar eine sehr hohe Abriebfestigkeit, verformt sich aber unter hoher Druckbelastung stärker als POM-C, PET oder PEEK. Reines PTFE ist aufgrund seines Kriechverhaltens ebenfalls nur eingeschränkt geeignet.
Die Flächenpressung darf nicht isoliert betrachtet werden. Gleichzeitig auftretende Bewegung erzeugt Reibungswärme und kann die zulässige Belastung deutlich reduzieren.
Ein häufiger Fehler besteht darin, den Kunststoff mit dem geringsten Reibwert automatisch als verschleißfestesten Werkstoff einzustufen.
Der Reibungskoeffizient eines Kunststoffs beschreibt, wie stark zwei Oberflächen gegeneinander bremsen. Die Verschleißrate beschreibt dagegen, wie viel Material während der Bewegung abgetragen wird.
Ein Werkstoff kann:
einen niedrigen Reibwert besitzen und trotzdem stark verschleißen
einen höheren Reibwert besitzen und dennoch lange halten
die eigene Oberfläche schützen, aber den Gegenlaufpartner beschädigen
unter sauberer Belastung gut funktionieren, bei Schmutz aber schnell versagen
Die Werkstoffpaarung ist deshalb wichtiger als ein einzelner Tabellenwert.
Die Oberfläche des Gegenlaufpartners beeinflusst die Lebensdauer einer Kunststoffführung erheblich.
Zu berücksichtigen sind:
Werkstoff
Härte
Rauheit
Beschichtung
Korrosionsbeständigkeit
Kanten
Schweißnähte
Schmutzpartikel
Eine zu raue Oberfläche wirkt wie Schleifpapier und erhöht den Abrieb. Eine ungeeignete sehr glatte Oberfläche kann bei bestimmten Werkstoffpaarungen ebenfalls ungünstig sein.
Bei faserverstärkten Kunststoffen ist besondere Vorsicht erforderlich. Harte Füllstoffe können den metallischen Gegenlaufpartner stärker abnutzen.
Viele Kunststoffe können trocken oder mit geringer Schmierung betrieben werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Kunststoffgleitleiste ohne Schmierung dauerhaft wartungsfrei arbeitet.
Eine Schmierung kann:
Reibung reduzieren
Verschleiß verringern
Wärme ableiten
Geräusche senken
die Lebensdauer verlängern
Sie kann aber auch Nachteile verursachen:
Schmutz bindet sich an Fett oder Öl
Lebensmittel oder Produkte können verunreinigt werden
der Schmierstoff kann den Kunststoff angreifen
Wartung wird erforderlich
Schmierstoff kann ausgewaschen werden
PE 1000, POM-C und spezielle Gleitmodifikationen eignen sich häufig für Trockenlauf. Bei hohen Geschwindigkeiten oder Belastungen muss die Eignung jedoch technisch geprüft werden.
Die Bezeichnung selbstschmierender Kunststoff sollte kritisch verwendet werden. Standardwerkstoffe geben nicht automatisch Schmierstoff ab. Gemeint ist meist, dass der Werkstoff aufgrund seines niedrigen Reibwerts ohne externe Schmierung betrieben werden kann oder spezielle Festschmierstoffe enthält.
Standardkunststoffe reichen nicht für jede Führung aus. Durch Additive können Gleiteigenschaften, Verschleißfestigkeit oder Druckbelastbarkeit verbessert werden.
Typische Modifikationen sind:
Ölzusätze
PTFE
Molybdändisulfid
Silikon
Graphit
Fasern
spezielle Festschmierstoffe
Modifizierte Werkstoffe können sinnvoll sein, wenn:
dauerhaft trocken gelaufen wird
hohe Laufleistungen erforderlich sind
Stick-Slip vermieden werden muss
eine geringe Losbrechkraft wichtig ist
hohe Belastung und Bewegung zusammenkommen
Die Modifikation kann jedoch auch Nachteile verursachen. Fasern können Gegenlaufflächen abnutzen, Additive die Schlagzähigkeit reduzieren und spezielle Rezepturen die Lebensmittelkonformität einschränken.
Kunststoffe verändern ihre Abmessungen stärker als Metalle. Bei langen Gleitleisten oder großflächigen Gleitplatten kann die Wärmeausdehnung mehrere Millimeter betragen.
Besonders relevant sind:
Bauteillänge
Temperaturdifferenz
Werkstoff
Einbausituation
Befestigung
Feuchtigkeitsaufnahme
PE 1000 besitzt eine vergleichsweise hohe Wärmeausdehnung. PA6 verändert sich zusätzlich durch Feuchtigkeitsaufnahme. POM-C und PET sind maßhaltiger, während PEEK auch bei höheren Temperaturen eine hohe Formstabilität bietet.
Bei Anwendungen in kalten Umgebungen sollten die Eigenschaften von Kunststoffen bei tiefen Temperaturen berücksichtigt werden.
Eine Gleitleiste darf nicht so befestigt werden, als wäre sie ein Metallprofil. Die Wärmeausdehnung muss konstruktiv aufgenommen werden.
Geeignete Maßnahmen sind:
Langlöcher in Längsrichtung
ein definierter Festpunkt
gleitende weitere Befestigungen
ausreichende Schraubenabstände
große Auflageflächen
passende Senkungen
Vermeidung von Kerben
ausreichendes Randmaß
Trennung in kürzere Segmente
Bei einer langen Leiste sollte häufig nur ein Befestigungspunkt die genaue Position definieren. Die übrigen Befestigungen müssen eine Längenänderung zulassen.
Schrauben dürfen nicht so stark angezogen werden, dass sich der Kunststoff verformt oder reißt. Besonders bei Senkschrauben können hohe lokale Spannungen entstehen.
Hinweise zum richtigen Umgang mit mechanischen Spannungen finden Sie im Beitrag Spannungsrisse bei technischen Kunststoffen vermeiden. Auch typische Verarbeitungsfehler und Verzug bei Kunststoffen sollten bereits bei Konstruktion und Fertigung berücksichtigt werden.
Die Dicke einer Gleitleiste beeinflusst:
Steifigkeit
Verformung
Verschleißreserve
Wärmeausdehnung
Schraubenabstände
Austauschbarkeit
Eine dickere Leiste besitzt eine größere Verschleißreserve, kann sich aber bei Temperaturänderungen stärker ausdehnen. Eine sehr dünne Leiste kann sich an eine unebene Unterkonstruktion anpassen, gleichzeitig aber lokal überlastet werden.
Die Unterlage sollte möglichst eben sein. Hohlstellen führen zu Biegung und lokalen Spannungsspitzen.
In der Fördertechnik werden Kunststoffführungen eingesetzt, um Ketten, Riemen, Produkte und Behälter sicher zu leiten.
Häufige Bauteile sind:
Kettenführungen
Seitenführungen
Kurvenführungen
Riemenführungen
Gleitschienen
Produktführungen
Abstreifer
Verschleißplatten
PE 1000 ist aufgrund seiner Abriebfestigkeit und Dämpfung besonders verbreitet. POM-C wird eingesetzt, wenn Präzision und Steifigkeit wichtiger sind. PET eignet sich für höher belastete, maßhaltige Führungselemente.
In Lebensmittelanlagen muss zusätzlich geprüft werden, ob die konkrete Werkstoffqualität für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet ist.
Ein hoher Abriebwiderstand reicht nicht aus, wenn der Werkstoff unter Druck stark nachgibt oder die erforderlichen Toleranzen nicht hält.
PE 1000 eignet sich hervorragend für viele Gleitleisten, aber nicht automatisch für präzise oder hoch belastete Führungen.
Maßänderungen können dazu führen, dass Führungen klemmen oder Befestigungspunkte unter Spannung geraten.
Fest verschraubte lange Gleitleisten können sich aufwölben, verziehen oder an den Schrauben reißen.
Bei dauerhaftem Trockenlauf kann ein modifizierter Werkstoff eine deutlich längere Lebensdauer erreichen.
Gegenlauffläche, Schmutz, Kanten, Montage und Belastungsverteilung beeinflussen den Verschleiß mindestens ebenso stark.
| Anwendung | Häufig geeigneter Werkstoff |
|---|---|
| Kettenführung | PE 1000 |
| Präzise Führungsleiste | POM-C |
| Stoßbelastete Führung | PA6 |
| Maßhaltige Gleitplatte | PET |
| Chemisch belastete Gleitfläche | PTFE |
| Hochtemperaturführung | PEEK |
| Abriebbeanspruchte Auskleidung | PE 1000 |
| Präziser Führungsring | POM-C oder PET |
| Große mechanische Verschleißteile | PA6 |
| Trockenlauf mit hoher Laufleistung | modifizierter Gleitwerkstoff |
| Tieftemperaturanwendung | PE 1000 oder PTFE |
| Hohe Flächenpressung | PET, POM-C oder PEEK |
PE 1000 ist für viele Gleitleisten, Kettenführungen und Verschleißplatten die wirtschaftlichste Lösung. Der Werkstoff verbindet hohe Abriebfestigkeit mit guten Gleiteigenschaften und geringer Feuchtigkeitsaufnahme.
POM-C eignet sich besser für präzise Führungselemente mit engen Toleranzen. PA6 bietet Vorteile bei hohen mechanischen und stoßartigen Belastungen, verlangt aber eine sorgfältige Berücksichtigung der Feuchtigkeitsaufnahme. PET ist besonders interessant, wenn Maßhaltigkeit, Druckfestigkeit und Verschleißfestigkeit gemeinsam gefordert sind.
PTFE sollte eingesetzt werden, wenn Reibung, Chemikalienbeständigkeit oder Temperatur den Ausschlag geben. PEEK ist die Lösung für Anwendungen, in denen Standardkunststoffe mechanisch oder thermisch nicht mehr ausreichen.
Die belastbare Werkstoffauswahl entsteht erst aus dem Zusammenspiel von Flächenpressung, Geschwindigkeit, Temperatur, Feuchtigkeit, Gegenlauffläche, Befestigung und gewünschter Lebensdauer.