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PTFE, POM oder PA6: Welcher Kunststoff eignet sich für Gleitlager?

Welcher Kunststoff eignet sich für Gleitlager? PTFE, POM-C und PA6 im Vergleich: Reibung, Verschleiß, Belastbarkeit, Feuchtigkeit und Maßhaltigkeit.


Wer den passenden Kunststoff für Gleitlager sucht, landet häufig bei PTFE, POM-C oder PA6. Alle drei Werkstoffe besitzen gute Gleiteigenschaften, unterscheiden sich aber deutlich bei Verschleißfestigkeit, Belastbarkeit, Maßhaltigkeit, Feuchtigkeitsaufnahme und Temperaturbeständigkeit. Deshalb entscheidet nicht allein der Reibungskoeffizient darüber, welcher Kunststoff als Gleitlager-Werkstoff geeignet ist.

Für präzise Lagerbuchsen ist häufig POM-C die ausgewogenste Lösung. PA6 bietet Vorteile bei hohen mechanischen und stoßartigen Belastungen. PTFE kommt vor allem dort infrage, wo eine geringe Reibung, hohe Chemikalienbeständigkeit oder ein breiter Temperaturbereich erforderlich sind.

Welcher Kunststoff für Gleitlager geeignet ist

Ein Gleitlager aus Kunststoff muss die Welle zuverlässig führen, Reibung begrenzen und mechanischem Verschleiß widerstehen. Gleichzeitig darf sich die Lagerbuchse unter Druck, Wärme oder Feuchtigkeit nicht so stark verändern, dass die Welle klemmt oder das Betriebsspiel zu groß wird.

Wer das richtige Gleitlager-Material auswählen möchte, muss deshalb mehrere Faktoren gemeinsam betrachten:

  • Flächenpressung

  • Gleitgeschwindigkeit

  • Temperatur

  • Einschaltdauer

  • Feuchtigkeit

  • chemische Belastung

  • Wellenmaterial

  • Oberflächenrauheit

  • Schmierung

  • Verschmutzung

  • Fertigungstoleranzen

Der Kunststoff mit dem niedrigsten Reibwert ist nicht automatisch der beste Kunststoff für Lagerbuchsen. Ein Werkstoff kann sehr leicht gleiten, sich unter Dauerlast aber stärker verformen oder schneller verschleißen. Umgekehrt kann ein etwas höherer Reibungskoeffizient akzeptabel sein, wenn das Bauteil dadurch formstabiler und mechanisch belastbarer bleibt.

Einen ergänzenden Überblick über die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den technischen Werkstoffen bietet der Vergleich PA6, POM-C oder PE-HD.

PTFE, POM-C und PA6 als Gleitlager-Werkstoff im Vergleich

Eigenschaft PTFE POM-C PA6
Gleiteigenschaften Sehr gut Gut Gut
Verschleißfestigkeit Bei reinem PTFE begrenzt Gut Gut bis sehr gut
Druckfestigkeit Vergleichsweise gering Hoch Hoch
Kriechverhalten Deutlich ausgeprägt Gering Gering bis mittel
Maßhaltigkeit Unter Dauerlast eingeschränkt Sehr gut Feuchtigkeitsabhängig
Feuchtigkeitsaufnahme Sehr gering Gering Vergleichsweise hoch
Chemikalienbeständigkeit Sehr hoch Gut Medienabhängig
Temperaturbeständigkeit Sehr hoch Mittel Mittel
Schlagzähigkeit Eher gering Gut Sehr gut
Schwingungsdämpfung Mittel Mittel Sehr gut
Zerspanbarkeit Anspruchsvoller Sehr gut Gut
Typische Stärke Reibung und Medienbeständigkeit Präzision und Wirtschaftlichkeit Belastbarkeit und Zähigkeit

Die Tabelle zeigt, warum es keinen universell besten Kunststoff mit guten Gleiteigenschaften gibt. Die Werkstoffauswahl hängt immer von der konkreten Kombination aus Last, Bewegung und Umgebung ab.

Welcher Kunststoff hat die besten Gleiteigenschaften?

PTFE besitzt von den drei Werkstoffen grundsätzlich den niedrigsten Reibungskoeffizienten. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ein PTFE-Gleitlager die höchste Lebensdauer erreicht.

Reibung und Verschleiß müssen getrennt betrachtet werden. Ein Werkstoff kann leicht gleiten, sich unter dauerhafter Belastung aber verformen oder vergleichsweise schnell abtragen. Umgekehrt kann ein mechanisch belastbarerer Kunststoff mit etwas höherem Reibwert unter realen Betriebsbedingungen länger halten.

Für die Auswahl eines verschleißfesten Kunststoffs für Gleitlager sind mindestens drei Fragen entscheidend:

  1. Wie hoch ist die mechanische Belastung?

  2. Wie schnell und wie lange bewegt sich die Welle?

  3. Wie gut kann entstehende Reibungswärme abgeführt werden?

Hinzu kommen Start-Stopp-Vorgänge, wechselnde Lasten, Schmutz, Schmierung und die Beschaffenheit der Gegenlauffläche.

Wann eignet sich ein PTFE-Gleitlager?

PTFE besitzt sehr gute Gleiteigenschaften, nimmt praktisch keine Feuchtigkeit auf und ist gegenüber vielen Chemikalien beständig. Der Werkstoff eignet sich daher für Lagerstellen, bei denen geringe Reibung, aggressive Medien oder ungewöhnliche Temperaturen eine zentrale Rolle spielen.

Typische Einsatzbedingungen für ein PTFE-Gleitlager sind:

  • Kontakt mit aggressiven Chemikalien

  • sehr niedrige oder hohe Temperaturen

  • geringe Gleitgeschwindigkeiten

  • Trocken- oder Notlauf

  • empfindliche Prozessmedien

  • niedrige Losbrechkräfte

  • wechselnde Umgebungsbedingungen

Für gefräste Gleitelemente, Zwischenlagen und größere Lagerkomponenten können PTFE Platten Zuschnitte als Ausgangsmaterial eingesetzt werden.

Warum das PTFE-Kriechverhalten problematisch sein kann

Das PTFE-Kriechverhalten ist einer der wichtigsten Nachteile bei mechanisch belasteten Lagerbuchsen. Reines PTFE kann sich unter dauerhafter Druckbelastung langsam verformen. Dadurch verändern sich Wandstärke, Lagerspiel und Druckverteilung.

Das ist besonders kritisch bei:

  • hoher Flächenpressung

  • dünnwandigen Buchsen

  • engen Passungen

  • dauerhafter statischer Belastung

  • wechselnden Belastungsrichtungen

  • langen Standzeiten unter Druck

Ein Kunststoff für hohe Flächenpressung muss nicht nur einen niedrigen Reibwert, sondern auch eine ausreichende Druck- und Kriechfestigkeit besitzen. Reines PTFE erreicht hier häufig schneller seine Grenzen als POM-C oder PA6.

Ist PTFE verschleißfester als POM?

In unveränderter Form ist PTFE bei vielen belasteten Gleitlageranwendungen nicht verschleißfester als POM-C. PTFE besitzt zwar einen niedrigeren Reibwert, POM-C bietet aber häufig die höhere Formstabilität und mechanische Belastbarkeit.

Die Entscheidung PTFE oder POM hängt deshalb von der Priorität ab:

  • sehr geringe Reibung und Chemikalienbeständigkeit: eher PTFE

  • Präzision, Druckfestigkeit und Maßhaltigkeit: eher POM-C

  • hohe Temperatur in Verbindung mit aggressiven Medien: häufig PTFE

  • wirtschaftliche Lagerbuchse im allgemeinen Maschinenbau: häufig POM-C

Bei höheren mechanischen und thermischen Anforderungen kann statt PTFE ein anderer Hochleistungskunststoff notwendig werden. Der Vergleich PEEK oder PTFE zeigt, wo die Unterschiede bei Belastbarkeit, Temperatur und chemischer Beständigkeit liegen.

Wann ist ein POM-Gleitlager sinnvoll?

POM-C gehört zu den wichtigsten Werkstoffen für präzise Gleit- und Führungselemente. Ein POM-Gleitlager verbindet gute Gleiteigenschaften mit hoher Festigkeit, geringer Wasseraufnahme und sehr guter Zerspanbarkeit.

POM-C eignet sich besonders für:

  • präzise Lagerbuchsen

  • Führungsringe

  • Rollen

  • Gleitschienen

  • kleine und mittlere Lagerdurchmesser

  • intermittierende Bewegungen

  • moderate Gleitgeschwindigkeiten

  • wirtschaftlich zu fertigende Serienteile

Für gedrehte Lagerbuchsen und Führungsringe können POM-C-Rundstäbe als Ausgangsmaterial verwendet werden. Für flache Gleitelemente, Ringe oder individuell bearbeitete Bauteile stehen außerdem POM-C-Scheiben zur Verfügung.

Warum POM-C häufig der Universalwerkstoff ist

POM-C bietet einen ausgewogenen Kompromiss aus Reibungsverhalten, Verschleißfestigkeit, Druckfestigkeit, Maßhaltigkeit und Kosten. Besonders bei einer präzisen Gleitlagerbuchse aus Kunststoff ist die geringe Feuchtigkeitsaufnahme ein Vorteil.

Die POM-Maßhaltigkeit ermöglicht enge und reproduzierbare Toleranzen. Im Vergleich zu PA6 verändert sich der Werkstoff bei wechselnder Luftfeuchtigkeit deutlich weniger. Dadurch sinkt das Risiko, dass eine Buchse aufquillt und die Welle klemmt.

POM-C eignet sich daher häufig für:

  • präzise Passungen

  • wechselnde Luftfeuchtigkeit

  • automatisierte Baugruppen

  • mechanische Führungen

  • Lebensmittel- und Fördertechnik

  • allgemeine Maschinenbauteile

Die Grenzen liegen vor allem bei höheren Temperaturen und bestimmten chemischen Medien. Vor dem Kontakt mit Säuren, Oxidationsmitteln oder dauerhaft heißem Wasser sollte die Chemikalienbeständigkeit des Kunststoffs geprüft werden.

Eignet sich POM-C für Trockenlauf?

POM-C kann als Kunststoff für Trockenlauf eingesetzt werden, wenn Flächenpressung, Gleitgeschwindigkeit und Laufdauer moderat bleiben. Für dauerhaft hohe Laufleistungen kann jedoch ein speziell modifizierter Werkstoff besser geeignet sein.

Ein POM-PTFE-Compound enthält Festschmierstoffe, die Reibung und Verschleiß reduzieren können. Solche Werkstoffe eignen sich häufig besser für ein Kunststoffgleitlager ohne Schmierung als unverändertes Standard-POM.

Ob POM-C im Trockenlauf ausreichend ist, hängt unter anderem ab von:

  • Wellenwerkstoff

  • Oberflächenrauheit

  • Flächenpressung

  • Geschwindigkeit

  • Betriebstemperatur

  • Einschaltzeit

  • Kühlung

  • Schmutzeintrag

POM-C ist deshalb nicht pauschal selbstschmierend. Die Bezeichnung selbstschmierender Kunststoff sollte nur für Werkstoffe verwendet werden, die speziell für tribologische Anwendungen modifiziert wurden.

Wann eignet sich ein PA6-Gleitlager?

PA6 besitzt eine hohe Zähigkeit, gute Verschleißfestigkeit und ausgeprägte Dämpfungseigenschaften. Ein PA6-Gleitlager eignet sich deshalb besonders für größere, mechanisch belastete und stoßbeanspruchte Lagerstellen.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • größere Lagerbuchsen

  • hohe mechanische Belastungen

  • Stoßbelastungen

  • schwingende Konstruktionen

  • Rollen

  • Führungen

  • langsam laufende Lager

  • geräuscharme Lagerstellen

  • Kunststofflager im Maschinenbau

Für individuell gedrehte oder gefräste Bauteile können PA6-Scheiben als Halbzeug dienen.

Welcher Werkstoff eignet sich für hohe Lagerbelastungen?

Bei hohen mechanischen Belastungen ist PA6 häufig geeigneter als reines PTFE. Der Werkstoff kann Stoßbelastungen und Schwingungen besser aufnehmen und besitzt eine höhere Zähigkeit.

Ob PA6 oder POM-C geeigneter ist, hängt von der Art der Belastung ab:

  • hohe Stoßbelastung und Schwingung: eher PA6

  • enge Toleranzen und hohe Maßhaltigkeit: eher POM-C

  • größere Lagerdurchmesser: häufig PA6

  • wechselnde Feuchtigkeit: häufig POM-C

  • mechanische Robustheit: häufig PA6

  • präzise Serienbuchse: häufig POM-C

Die Entscheidung POM oder PA6 ist daher keine reine Frage der Festigkeit. POM-C ist dimensionsstabiler, PA6 ist zäher und dämpft Belastungsspitzen besser.

Wie verändert Feuchtigkeit ein PA6-Gleitlager?

Die PA6-Feuchtigkeitsaufnahme ist der wichtigste konstruktive Unterschied zu POM-C und PTFE. PA6 nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf. Dadurch können sich Abmessungen, Steifigkeit, Festigkeit und Zähigkeit verändern.

Für ein Kunststoffgleitlager bei Feuchtigkeit bedeutet das:

  • Der Innendurchmesser kann sich verändern.

  • Das Betriebsspiel kann kleiner werden.

  • Die Buchse kann auf der Welle klemmen.

  • Die Steifigkeit kann abnehmen.

  • Die Zähigkeit kann steigen.

  • Trockene Datenblattwerte können von den späteren Betriebswerten abweichen.

Die Feuchtigkeitsaufnahme schließt PA6 als Gleitlager-Werkstoff nicht aus. Sie muss aber bei der Konstruktion berücksichtigt werden. Ein größeres Ausgangsspiel, realistische Fertigungstoleranzen und gegebenenfalls eine Konditionierung des Bauteils können notwendig sein.

Der Werkstoffvergleich PA6, POM-C oder PE-HD erläutert die Unterschiede bei Wasseraufnahme und Maßverhalten weiter.

Eignet sich PA6 für den Trockenlauf?

PA6 kann unter geeigneten Bedingungen trockenlaufen. Für einen dauerhaften Trockenlauf mit hohen Laufleistungen sind jedoch häufig modifizierte Varianten geeigneter.

Ein PA6 G + Öl Gleitlager enthält eingelagerte Schmierstoffe, die Reibung und Verschleiß reduzieren. Auch ein PA6-MoS2-Gleitlager kann bessere tribologische Eigenschaften aufweisen als unverändertes PA6.

Solche Werkstoffe kommen infrage, wenn:

  • eine externe Schmierung unerwünscht ist,

  • die Lagerstelle schwer zugänglich ist,

  • Schmutz an Schmiermitteln haften würde,

  • längere Wartungsintervalle erforderlich sind,

  • Reibung und Verschleiß gegenüber Standard-PA6 reduziert werden sollen.

Ob PA6 oder PTFE geeigneter ist, hängt wiederum vom Einsatz ab. Bei der Entscheidung PA6 oder PTFE bietet PA6 meist die höhere mechanische Belastbarkeit, während PTFE bei Reibung, Chemikalienbeständigkeit und Temperatur Vorteile besitzt.

Benötigen Kunststoffgleitlager eine Schmierung?

Viele Kunststoffgleitlager können ohne zusätzliche Schmierung eingesetzt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Lagerstelle dauerhaft wartungsfrei arbeitet.

Eine Schmierung kann:

  • den Reibwert reduzieren,

  • den Verschleiß verringern,

  • die Wärmeabfuhr verbessern,

  • Geräusche reduzieren,

  • die Lebensdauer erhöhen.

Gleichzeitig kann eine Schmierung bei Kunststofflagern unerwünscht sein. Öl oder Fett kann Schmutz binden, Prozessmedien verunreinigen oder den Kunststoff chemisch angreifen.

Vor dem Einsatz eines Schmierstoffs sollte geprüft werden:

  • Ist der Schmierstoff mit dem Kunststoff verträglich?

  • Darf er mit dem Prozessmedium in Kontakt kommen?

  • Kann er ausgewaschen werden?

  • Verändert er den Kunststoff?

  • Ist ein trockenlaufender Compound geeigneter?

Ein Kunststoffgleitlager ohne Schmierung ist besonders sinnvoll, wenn Wartung schwer möglich ist oder saubere Betriebsbedingungen gefordert werden. In solchen Fällen sollte die Werkstofftype gezielt für Trockenlauf ausgelegt sein.

Welche Rolle spielt der PV-Wert bei Kunststoffgleitlagern?

Der PV-Wert eines Gleitlagers kombiniert Flächenpressung und Gleitgeschwindigkeit:

PV = Flächenpressung × Gleitgeschwindigkeit

Er dient als erste Orientierung für die mechanische und thermische Belastung der Lagerstelle. Eine hohe Last bei niedriger Geschwindigkeit kann ebenso kritisch sein wie eine geringere Last bei hoher Geschwindigkeit.

Der zulässige PV-Wert hängt ab von:

  • Werkstofftype

  • Füllstoffen

  • Umgebungstemperatur

  • Kühlung

  • Schmierung

  • Wellenmaterial

  • Oberflächenrauheit

  • Lagergeometrie

  • Einschaltdauer

  • Bewegungstyp

Ein Datenblattwert darf nicht ungeprüft auf jede Konstruktion übertragen werden. Besonders bei oszillierenden Bewegungen, häufigem Anfahren oder schlechter Wärmeabfuhr können die tatsächlichen Belastungsgrenzen niedriger liegen.

Wie lässt sich der Gleitlager-Verschleiß berechnen?

Den Gleitlager-Verschleiß zu berechnen ist bei Kunststoffen nur näherungsweise möglich. Neben Druck und Geschwindigkeit beeinflussen auch Temperatur, Oberflächenrauheit, Schmierung, Verschmutzung und Werkstoffpaarung die Lebensdauer.

Für eine erste Auslegung können verwendet werden:

  • PV-Wert

  • spezifische Verschleißrate

  • Laufweg

  • Flächenpressung

  • Gleitgeschwindigkeit

  • Einschaltdauer

  • erwartete Temperatur

In kritischen Anwendungen sollte die rechnerische Auslegung durch einen Praxistest ergänzt werden. Schon geringe Veränderungen der Wellenoberfläche oder der Materialmodifikation können die Verschleißrate deutlich verändern.

Welche Wellenoberfläche eignet sich für Kunststoffgleitlager?

Die Gegenlauffläche hat einen direkten Einfluss auf Reibung und Verschleiß. Eine zu raue Welle kann den Kunststoff abrasiv abtragen. Eine ungeeignete, sehr glatte Oberfläche kann bei bestimmten Werkstoffpaarungen ebenfalls problematisch sein, weil sich kein stabiler Übertragungsfilm bildet.

Zu berücksichtigen sind:

  • Wellenwerkstoff

  • Oberflächenhärte

  • Rauheit

  • Beschichtung

  • Korrosionsbeständigkeit

  • Rundlauf

  • Kanten

  • Schmutzpartikel

Bei gefüllten oder faserverstärkten Gleitwerkstoffen muss zusätzlich geprüft werden, ob harte Füllstoffe die Welle angreifen. Ein verschleißfester Kunststoff für Gleitlager kann dadurch zwar länger halten, gleichzeitig aber den Gegenlaufpartner stärker beanspruchen.

Welche Rolle spielt das Lagerspiel?

Kunststoffe reagieren stärker auf Temperatur und Feuchtigkeit als metallische Lagerwerkstoffe. Das erforderliche Lagerspiel muss deshalb mehrere Einflüsse aufnehmen:

  • Fertigungstoleranzen

  • Wärmeausdehnung

  • Wasseraufnahme

  • Verformung unter Last

  • Einpressverformung

  • Wellenabweichungen

  • Verschmutzungen

Bei POM-C lassen sich in der Regel engere und stabilere Toleranzen realisieren als bei PA6. Bei PA6 muss der spätere Feuchtigkeitszustand berücksichtigt werden. PTFE nimmt zwar kaum Feuchtigkeit auf, kann sich unter dauerhafter Last aber durch Kriechen verformen.

Auch bei niedrigen Temperaturen verändern sich die Werkstoffeigenschaften. Wer Kunststofflager in kalten Umgebungen einsetzt, sollte deshalb zusätzlich das Verhalten von Kunststoffen bei tiefen Temperaturen berücksichtigen.

Wann sollte ein modifizierter Gleitwerkstoff eingesetzt werden?

Standard-PTFE, Standard-POM-C und Standard-PA6 reichen nicht für jede Lagerstelle aus. Bei hoher Laufleistung, Trockenlauf oder anspruchsvollen Belastungen sind modifizierte Werkstoffe häufig die bessere Lösung.

Typische Varianten sind:

  • PA6 G mit eingelagertem Öl

  • PA6 mit Molybdändisulfid

  • POM mit PTFE

  • gefülltes PTFE

  • faserverstärkte Compounds

  • spezielle tribologische Hochleistungskunststoffe

Die Additive können:

  • den Reibwert senken,

  • den Verschleiß reduzieren,

  • die Druckfestigkeit verbessern,

  • das Kriechverhalten reduzieren,

  • die Notlaufeigenschaften erhöhen.

Gleichzeitig können Füllstoffe die Schlagzähigkeit verringern, die Gegenlauffläche stärker beanspruchen oder die Eignung für Lebensmittelkontakt einschränken. Deshalb reicht es nicht, nur die Polymergruppe festzulegen. Entscheidend ist die konkrete Werkstofftype.

Welcher Kunststoff eignet sich für welchen Anwendungsfall?

Präzise Lagerbuchse in einer Maschine

Für eine maßgenaue Lagerbuchse bei normalen Temperaturen und moderater Belastung ist POM-C häufig die wirtschaftlichste Wahl. Das Material ist gut zerspanbar, nimmt wenig Feuchtigkeit auf und ermöglicht reproduzierbare Toleranzen. Als Ausgangsmaterial eignen sich beispielsweise POM-C-Rundstäbe.

Große und stoßbelastete Lagerstelle

Bei größeren Abmessungen, wechselnden Lasten und Schwingungen kann PA6 geeigneter sein. Die hohe Zähigkeit und Dämpfung sprechen für den Werkstoff. Das notwendige Lagerspiel muss jedoch die Feuchtigkeitsaufnahme berücksichtigen. Für individuell bearbeitete Bauteile können PA6-Scheiben verwendet werden.

Chemisch aggressive Anlage

Bei Kontakt mit aggressiven Medien spricht vieles für PTFE oder einen geeigneten PTFE-Compound. Für größere Gleitelemente und Zwischenlagen können PTFE-Platten nach Maß eingesetzt werden. Vor der Auswahl sollte dennoch die konkrete Chemikalienbeständigkeit des Kunststoffs geprüft werden.

Dauerhafter Trockenlauf

Für dauerhaften Trockenlauf ist nicht automatisch reines PTFE die beste Wahl. Ein POM-PTFE-Compound oder ölmodifiziertes PA6 kann eine bessere Kombination aus Verschleißfestigkeit, Belastbarkeit und Wirtschaftlichkeit erreichen.

Lagerstelle bei wechselnder Feuchtigkeit

POM-C bietet Vorteile, wenn enge Toleranzen eingehalten werden müssen. PA6 kann eingesetzt werden, wenn Maßänderungen konstruktiv berücksichtigt werden und Zähigkeit wichtiger ist als maximale Dimensionsstabilität.

Erhöhte oder sehr niedrige Temperaturen

PTFE besitzt grundsätzlich den breitesten Temperaturbereich der drei Werkstoffe. Dennoch müssen Belastung, Kriechverhalten und Materialmodifikation geprüft werden. Bei sehr tiefen Temperaturen sollten zusätzlich die Hinweise zu Kunststoffen bei tiefen Temperaturen berücksichtigt werden.

PTFE, POM-C oder PA6 nach Priorität auswählen

PTFE eignet sich besonders, wenn sehr geringe Reibung, hohe Chemikalienbeständigkeit oder ein breiter Temperaturbereich im Vordergrund stehen. Bei hoher Dauerbelastung sollte eine gefüllte Variante oder ein Verbundsystem geprüft werden.

POM-C ist häufig die beste Ausgangsbasis für präzise, wirtschaftliche und moderat belastete Kunststoffgleitlager. Der Werkstoff bietet eine hohe Maßhaltigkeit, gute Bearbeitbarkeit und geringe Wasseraufnahme.

PA6 ist besonders interessant, wenn Zähigkeit, Dämpfung, Größe und mechanische Robustheit entscheidend sind. Die Feuchtigkeitsaufnahme und daraus resultierende Maßänderungen müssen konstruktiv berücksichtigt werden.

Bei dauerhaft hohen Belastungen, hohen Geschwindigkeiten oder anspruchsvollen Temperaturen reicht die grobe Auswahl zwischen PTFE, POM und PA6 nicht aus. Dann müssen PV-Wert, konkrete Werkstofftype, Gegenlauffläche, Lagerspiel und erwartete Verschleißrate gemeinsam bewertet werden.

Welcher Kunststoff eignet sich am besten für Gleitlager?
Für präzise und moderat belastete Gleitlager ist POM-C häufig der ausgewogenste Standardwerkstoff. PA6 eignet sich besonders bei hohen mechanischen und stoßartigen Belastungen. PTFE ist vorteilhaft, wenn sehr geringe Reibung, hohe Chemikalienbeständigkeit oder ein großer Temperaturbereich erforderlich sind.
Ist PTFE oder POM verschleißfester?
Unverändertes POM-C ist bei vielen mechanisch belasteten Gleitlageranwendungen verschleißfester und formstabiler als reines PTFE. PTFE besitzt zwar einen niedrigeren Reibwert, neigt unter dauerhafter Belastung jedoch stärker zum Kriechen. Gefüllte PTFE-Werkstoffe können deutlich bessere Verschleißeigenschaften erreichen.
Kann PA6 als Gleitlager trockenlaufen?
PA6 kann bei geeigneter Belastung, Geschwindigkeit und Gegenlauffläche trockenlaufen. Für dauerhaft hohe Laufleistungen sind jedoch häufig modifizierte Varianten wie PA6 G mit Öl oder Molybdändisulfid besser geeignet. Die konkrete Eignung sollte über den zulässigen PV-Wert und die erwartete Verschleißrate geprüft werden.
Welche Rolle spielt Feuchtigkeit bei einem PA6-Gleitlager?
PA6 nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf. Dadurch können sich Abmessungen, Steifigkeit und Festigkeit verändern. Bei engen Passungen muss die mögliche Maßänderung bereits beim Lagerspiel, bei den Fertigungstoleranzen und gegebenenfalls bei der Konditionierung des Bauteils berücksichtigt werden.
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